Der Blog für Marketing und Personal

Jetzt alles über Studentenmarketing, Employer Branding und Inbound Recruiting erfahren!

Sichere dir die neusten Tipps!

Subscribe to Email Updates

Featured Artikel

Letzte Artikel

Mobile Recruiting: Die Zukunft im Personalwesen?

Wer in Zukunft die begabtesten Talente gewinnen möchte, muss offen für Neues sein und den Zahn der Zeit treffen. Erfahre in diesem Artikel alles über die neuesten Erkenntnisse einer Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in Zusammenarbeit mit der German Graduate School of Management and Law Heilbronn zum „Mobile Recruiting“ und lerne, welche Trends in den Bereichen auf dich zu kommen könnten.

Im Hintergrund hört man das laute Quietschen und Rattern einer S-Bahn. In einem Vierer sitzt ein Mann, geschätzt Mitte 20, den Kopf an die Fensterscheibe gelehnt, der ausdruckslos auf ein leuchtendes Ding in seiner Hand schaut.

Seit drei Jahren bringt ihn die Bahn täglich von seinem Zuhause zur 30 Minuten entfernten Universität. Doch nicht mehr lange. In ein paar Wochen wird Christian als Bester seines Jahrgangs seinen Bachelor in der Hand halten, die Uni hinter sich lassen und versuchen in der Arbeitswelt seinen Platz zu finden.

Dass die S2 heute mal wieder rappelvoll ist, bemerkt er gar nicht. Vertieft in die Aufgabe sein Leben nach der Uni zu planen, wischt er über die Oberfläche seines Smartphones.  Über seine Augen huschen durch die Spiegelung des Bildschirms hunderte Stellenanzeigen – reaktionslos. Nach zehn Minuten schnellt sein Daumen endlich auf den Touchscreen. Er überfliegt das Jobangebot und sucht nach einer Möglichkeit sich online zu bewerben, vergeblich. Selbst sein Xing-Profil mit den Daten zu seinen bisherigen Arbeitsstellen und seinem Ausbildungsverlauf kann er nirgends hinterlassen. Enttäuscht speichert er den Link in seinen Lesezeichen und steckt das Smartphone wieder weg. Als er abends wieder nach Hause an seinen Laptop kommt, ist die Stellenanzeige schon wieder vergessen und damit die Chance für das Unternehmen verpasst, sich den erfolgversprechenden Nachwuchs zu sichern.

Bedeutung von Mobile Recruiting für dein Unternehmen

Das Beispiel Christian ist sinnbildlich für das Verhalten einer ganzen Generation. Die ARD-ZDF-Onlinestudie zeigt, dass das Smartphone seit 2016 den Laptop als häufigstes genutztes Internetgerät überholt hat. Mehr noch: 64 % der 14- bis 29-Jährigen nutzen das Internet täglich von unterwegs aus. Dabei liegt die durchschnittliche Internetnutzung in dieser Altersgruppe bei 4 Stunden und 5 Minuten pro Tag. DasSmartphone_als_häufig_genutztes_Internetgeraet bedeutet, dass Unternehmen viel Zeit haben, mit den jungen Menschen der Generation-Y unterwegs direkt oder per Stellenanzeige Kontakt aufzunehmen.

Diese Möglichkeit nehmen aber bisher nur wenige Unternehmen wahr. Laut der Studie der Universität Bamberg „Mobile Recruiting“, in der die Top-1000-Unternehmen, 1000 Unternehmen des Mittelstandes sowie die Top-300-Unternehmen aus der IT-Branche in Deutschland befragt worden sind:

  • 53,6 % der Top-1000-Unternehmen bieten kein Mobile Recruiting an
  • 77,4 % der Top-1000 sind jedoch aufgeschlossen
  • 82,6 % der ITler sind aufgeschlossen
  • 44,3 % der Mittelständler sind kritisch

Allgemein scheinen sich aber alle Befragten darüber einig zu sein, dass Mobile Recruiting in der Zukunft immer wichtiger wird.

Die Vorteile und Herausforderungen beim Recruiting über mobile Endgeräte

Folgende Möglichkeiten sehen Unternehmen durch den Einsatz von Mobile Recruiting:

  1.   Potenzielle Arbeitnehmer können situations- und ortsgebunden angesprochen werden
  1.   Erhöhung der Reichweite bei der Kandidatenansprache
  1.   Erleichtert die Ansprache von Nachwuchstalenten der Generationen Y und Z
  2.   Bereits heute bewerben sich Kandidaten verstärkt über mobile Endgeräte bei unserem Unternehmen

Diagramm_Vorteile_Unternehmen_Einsatz_Mobile_Geräte

Doch sehen sich die Unternehmen nicht nur mit Möglichkeiten, sondern auch mit Herausforderungen konfrontiert. Die Studie klärt auf, warum bisher nur verhältnismäßig wenige Unternehmen auf eine mobile Ansprache setzen: Nur ca. 31,5 % geben nämlich das Verhältnis von Aufwand und Ertrag als positiv an. Genannte Gründe sind, dass Mobile Recruiting…

  1.   … mit hohen zusätzlichen Kosten verbunden ist
  1.   … einen hohen technischen Aufwand erfordert
  1.   … nicht leicht in bestehende Prozesse im Personalwesen zu integrieren ist
  2.  … noch nicht standardisiert ist und es dadurch keine einheitlichen Schnittstellen der Anbieter (z. B. Internet-Stellenbörsen) gibt

Diagramm_Herausforderungen_Unternehmen_Einsatz_Mobile_Geräte

Mit immer mehr Menschen, die aus den Generationen Y und Z auf den Arbeitsmarkt streben, sollten sich Aufwand und Ertrag nach und nach ausgleichen. Auch das Nutzungsverhalten mobiler Endgeräte von jungen Talenten scheint einen höheren Fokus auf Mobile Recruiting zu erfordern. Doch Präsenz im Web wird nicht alles sein. Um diese Zielgruppe erfolgreich ansprechen zu können, ist ein professionell gestalteter Internetauftritt ausschlaggebend.

Wie du deine Stellenausschreibung mobil wirksam bereitstellen kannst

Ist es nur schwer lesbar, wird es weggeklickt. Selbst wenn sich der Bewerber nur informieren will, ist eine schlechte Darstellung deiner Karriere-Website auf seinem mobilen Endgerät ein sofortiges Ausschlusskriterium. An eine Bewerbung in so einem Fall ist schon gar nicht zu denken.

Aus diesem Grund scheinen auch 6 von 10 Bewerbern es gut zu finden, wenn Unternehmen Apps zur Verfügung stellen, in denen man sich auf offene Stellen bewerben kann. Denn sie sind auf einem kleinen Bildschirm übersichtlicher und einfacher zu bedienen.

So kämpfst du smart und nicht hart um die besten Talente - Jetzt kostenloses E-Book anfordern.

Vorreiter in diesem Bereich sind Daimler und BMW. In den Unternehmensapps der Automobilhersteller können sich interessierte Bewerber über Stellenangebote, ihren Arbeitgeber und Karrieretermine informieren. Das IT-Unternehmen Accenture geht noch einen anderen Weg. Auf ihrer mobil optimierten Website kann der Bewerber mit ein paar Klicks den Link von seinem Xing-Profil an das Unternehmen schicken, das dann die Daten in ihre Personaldatenbank überträgt. In Zukunft, so schreibt das Unternehmen auf seiner Website, wird diese Funktion nur noch mit einem LinkedIn-Profil möglich sein.

Genauso finden 70 % der Bewerber gut, wenn Internet-Stellenbörsen Apps für mobile Endgeräte zur Suche nach offenen Stellen anbieten. Hier scheinen viele Unternehmen auch zu versäumen, eine einfache und effektive Möglichkeit der mobilen Ansprache von möglichen Bewerbern zu nutzen. Denn laut Studie ist sich ein Großteil der Unternehmen unsicher, ob ihre Stellen überhaupt auf den Jobportalen angezeigt werden.

Suchverhalten und Bewerbungen über mobile Endgeräte

Auch wenn die Menschen das Internet immer mehr über das Smartphone nutzen, bleibt der Laptop bei der Informationssuche nach und der Bewerbung auf offene Stellen ungeschlagen die Nummer 1. Jedoch suchen und bewerben sich Kandidaten auf neue Jobs im Vergleich zum Vorjahr verstärkt über mobile Endgeräte. So stiegen die Suche nach Stellenausschreibungen über das Smartphone von 30,3 % auf 41,7 % und die Bewerbungen über das Smartphone von 11,1 % auf 13,0 %. Die Bewerbungen über das Tablet (-4,9 %) und den Laptop (-40 %) sanken.

Als einen möglichen Grund für die vergleichsweise wenigen Bewerbungen über mobile Endgeräte gibt die Studie an, dass viele Menschen es als umständlich empfinden, sich über Tablets (44,6 %) und Smartphones (69,1 %) zu bewerben. Doch auch in diesem Punkt scheint sich der Trend zu verändern. Im Vergleich zum Vorjahr empfinden weniger Bewerber die Nutzung eines mobilen Endgeräts als umständlich.Mobile_Recruiting_mit_dem_Smartphone

Ein Problem, das die Bewerber mit der mobilen Bewerbung haben, ist die Verfügbarkeit von wichtigen Dokumenten. So geben nur 39,2 % der Befragten an, dass ihnen alle nötigen Unterlagen für eine mobile Online-Bewerbung bereitstehen. Ein möglicher Lösungsansatz wäre die Speicherung der wichtigen Daten in einer Cloud. Jedoch sehen viele damit ihre Datensicherheit in Gefahr. Dieses Problem scheint auch für viele Unternehmen präsent zu sein. So sagen 55,1 % der Kandidaten, 41,1 % der Top-1000-Unternehmen und 52,2 % der IT-Unternehmen, dass sie sich bei mobilen Bewerbungen mit einem Datensicherheitsproblem konfrontiert sehen.

Eine Möglichkeit diese Datenunsicherheit zu überbrücken, ist die Integration der Profile von Karrierenetzwerken (z. B. LinkedIn oder Xing) in die Bewerbungsprozesse. Denn wichtige Informationen sind dort abgespeichert und soweit öffentlich. Auch, wenn sie nicht die ganze Bewerbung ersetzen können, können sie die Vorauswahl der möglichen Kandidaten erheblich erleichtern und bieten den Bewerbern eine bequeme Möglichkeit sich mit dem Unternehmen in Verbindung zu setzen.

Mobile vs. traditionelle Bewerbung

Abschließend befragte die Studie die Teilnehmer, welche Art von Bewerbung sie bevorzugen. Dabei gaben 46,9 % an, dass sie sich lieber mobil als traditionell bewerben. Der Unterschied zwischen den Generationen ist dabei nicht sehr groß. So präferieren 49,6 % der Generation Y und Z, 46,5 % der  Generation X und 45,5% der Baby Boomer die mobile Bewerbung. Jedoch verschicken Kandidaten auf Stellensuche im Durchschnitt nur zwei Bewerbungen mobil und fünfmal so viele über nicht-mobile-Endgeräte. Dabei ist der Zeitaufwand bei der Bewerbung über mobile Endgeräte mit einer Bearbeitungszeit von 39,5 Minuten gegenüber 46,4 Minuten über nicht-mobile Endgeräte geringer.

Wandel_der_Zeit_PersonalwesenIn einer Periode, in der Zeit als eines der wertvollsten Güter angesehen wird und die Generation “Kopf unten” versucht, ihr ganzes Leben über den kleinen schlauen Helfer in ihrer Hand zu organisieren, könnte sich auch aufgrund der Zeitersparung dieser Trend in den nächsten Jahren immer weiter zur optimierten Bewerbung über mobile Endgeräte entwickeln. Auch, wenn die Realität im Moment noch so aussieht, dass die meisten Leute die eigentliche Bewerbung über Laptop oder PC abschicken. Im Zuge der Digitalisierung solltest du also nicht vernachlässigen, dein Personalwesen an den Wandel der Zeit anzupassen. Denn die heranwachsenden Jobsuchenden werden die Unternehmen an Land ziehen, die sich auf die Verhaltensweisen ihrer Zielgruppe einstellen.

Status quo und der Trend von Morgen?

Wie schon erwähnt, haben verschiedene Unternehmen verschiedene Taktiken entwickelt, das E-Recruiting zu vereinfachen. Da gab es einmal das IT-Unternehmen Accenture, das Daten von Karriere-Netzwerken übernimmt, da gibt es noch Unternehmen wie Bosch, die automatisch aus einer hochgeladenen PDF mit deinem Lebenslauf die wichtigsten Daten in ihre Bewerbungsformulare einträgt und es gibt noch App-Entwickler wie das Team um Truffls. Das Tinder für Jobs.

Truffls

Truffls funktioniert genauso wie die App Tinder. Nur, dass die Bewerber darüber entscheiden, ob sie anstatt einer Person eine Stellenausschreibung liken oder nicht. Also kriegt diesmal nicht “Lisa, 23” sondern das Jobangebot “Sales-Manager, Vollzeit” einen grünen Like-Stempel. Um sich in der App anzumelden, loggt sich der Jobsuchende über sein Xing- oder LinkedIn-Profil (oder er lädt seinen Lebenslauf hoch) in die App ein und bekommt dann passend zu seinen Angaben offene Stellen präsentiert. Ein Wisch nach rechts und das Unternehmen bekommt ein Kurz-Profil des Anwärters geschickt. Erscheint ihnen der Bewerber als passend und interessant, kann das Unternehmen näher mit dem neuen Kandidaten in Kontakt treten. 

Die App, die seit 2014 auf dem Markt ist, verzeichnet seitdem über 200.000 Downloads und hat Kunden wie Opel und Manufactum. 

Talent Hero

Talent Hero konzentriert sich voll und ganz auf den Ausbildungsmarkt. Ausbildungssuchende können sich in der App ganz einfach ein Profil erstellen und per Foto ihre Zeugnisse und Bewerbungsunterlagen hochladen. Während sie das Profil erstellen, können sie angeben, welche Bereiche sie interessieren (z. B. Medizin & Helfen, Rechnen, Natur & Umwelt etc.). Nachdem sie ihr Profil fertiggestellt haben, bekommen sie dann passende Stellen aufgelistet. Auf Unternehmerseite sieht das ganze Prinzip recht ähnlich aus. Sie legen ein Profil an, damit sich die Bewerber über sie informieren können, und schreiben ihre zu besetzenden Stellen aus. Finden die Suchenden dann eine Stelle, die sie interessiert, können sie sich mit ihren Unterlagen direkt über die App bewerben.

Die Zukunft: Die One-Click-Bewerbung?

tap.png

Von Nahem betrachtet scheint es sinnvoll, ein One-Click-Verfahren anzubieten: Es geht schnell, es ist einfach und man kann es ohne Umstände von unterwegs machen. Die Frage ist nur, ob die Zahlen und die Erfahrung der Unternehmen diesen Eindruck unterstützen? Eine weitere Studie der Universität Bamberg liefert uns Antworten.

Mit dem One-Klick-(Bewerbungs-)Verfahren kann man per Mausklick sein Profil aus einem Karriere-Netzwerk in die Datenbank des Unternehmens einfügen oder eine Mail mit einem Link dazu zum Unternehmen senden.

Gerade bei den mittelständischen Unternehmen stößt diese Art der Bewerbung auf keinen großen Anklang. Lediglich 2,6 % bieten ein One-Click-Verfahren an, 85, 9% tun es nicht und haben es auch nicht vor und nur ca. 10% wollen es in Zukunft in ihren Bewerbungsprozess integrieren. Bei den Top-1000-Unternehmen sehen die Zahlen schon ein bisschen anders aus. 9,5% bieten es an, 72,6 % nicht, aber 17,9 % haben es in Planung.

Eine Erklärung für die geringe Zahl an Interessenten scheint die große Schwierigkeit zu sein, dass die Kandidatenselektion durch so ein standardisiertes Verfahren erschwert wird. Auch die Mehrzahl der Kandidaten sagen, dass sie eine individualisierte Bewerbung als erfolgversprechender betrachten. Trotzdem glauben knapp 50 % der Top-1000, dass die One-Click-Bewerbung in der Zukunft eine wichtige Rolle für Bewerbungen spielen wird. Kandidaten mit 33,4 % und die IT-Unternehmen mit 18,2 % sind dagegen mit ihren Erwartungen zurückhaltender.

Ob sich nun alle Kandidaten in Zukunft wie Christian verhalten werden, bleibt unsicher. Anzeichen dafür sind jedoch da. Sicher ist, dass die Generationen Y und Z ein anderes Verhältnis zur Arbeit haben als die Generationen davor. Gerade die Generation Z sieht die Arbeit nicht mehr als einzigen Weg zur persönlichen Selbstverwirklichung. Auch sind sie daran gewohnt, dass alles per Wisch oder Tab von unterwegs bestellt, gefunden oder organisiert werden kann. Foodora, Tinder und DriveNow. Der Arbeitsmarkt wird durch diese veränderten Verhaltensweisen vor andere Aufgaben gestellt werden. Mobile Recruiting stellt damit eine gute Möglichkeit dar, sich auf die neuen Verhaltensweisen einzustellen. Ob die Lösung nun im One-Click-Verfahren liegt oder in etwas Anderem, das wird die Zukunft zeigen.

Paul Angermeyer

Paul ist freier Autor und treuer Mitstreiter von PrintPeter. Da er als Kind in einen literarischen Zaubertopf gefallen ist, laufen ihm schmucke Blogbeiträge nur so von der Feder. Mit seinen inspirierenden Ideen steckt er uns immer wieder alle an

Innovatives_Recruiting_Banner_Ebook_Download

Dein Kommentar:

Der ultimative Marketing Guide fuer kreative Werbung

Noch nicht genug? Hier gibt es mehr!